Sächsische Zeitung

Montag, 10. November 2003

Klein, aber erfolgreich
Grüner Unternehmerverband als Lobby für Minifirmen
Von Manfred Schulze

Leipzig. Die Kleinen haben keine Lobby, sagen sie – obwohl gerade Unternehmen mit wenig Personal in der Wirtschaft derzeit die Dynamik erheblich bestimmen. „Small ist beautiful!“, Klein ist schön, so lautete deshalb das Thema der Jahrestagung des Unternehmerverbandes Unternehmensgrün und der Heinrich-Böll-Stiftung in Leipzig am Wochenende. Beide Organisationen stehen den Grünen nahe.

„Die kleinsten Unternehmen stellen in der Wirtschaft den Löwenanteil der Arbeitsplätze, werden aber im politischen Alltag und der finanziellen Unterstützung immer mit dem so genannten Mittelstand vermischt“, beklagte Ines Wrusch von Unternehmensgrün die Wahrnehmung der Problematik in der Öffentlichkeit. Denn die Sorgen einer Firma mit 200 Beschäftigten sind mit denen eines nur wenige Köpfe zählenden Betriebes nicht vergleichbar: „Dort ist praktisch jede Sache Chefsache, der Bürokratieaufwand ist viel höher, die Kapitaldecke meist viel geringer“, so Wrusch. Besonders mit der jetzt stark geförderten Welle der Ich-AG-Gründungen müsse das endlich zum Thema werden.

Kritisch mit der in Deutschland zäh verlaufenden Diskussion um grundlegende Reformen zeigte sich auch Antje Hermenau, die als gebürtige Leipzigerin als haushaltspolitische Sprecherin im Bundestag ihre „Ostsicht“ einbringen will – ohne freilich an den Grundfesten rütteln zu können. „Der Osten hat sich 1990 bedauerlicherweise nicht zum Auf- sondern zum Nachbau-West entschlossen und stellt nun fest, dass die Strukturen veraltet sind“, so Hermenau.

Vieles sei zudem recht ähnlich wie in der DDR: „Wir müssen endlich die Weichen auf Wachstum statt auf absolute Verteilungsgerechtigkeit stellen“, so die Grüne, die ihrem CDU-Kollegen Friedrich Merz in Sachen Steuerreform zur Seite sprang. „Sein Konzept ist hinsichtlich der Vereinfachung bestechend gut.“

Die praktischen Beispiele für den Erfolg kleiner Unternehmen kamen von Firmenvertretern selbst. So von Jutta Horezky, Finanzvorstand der Leipziger PC-Ware AG. In 13 Jahren ist die von drei Ostdeutschen gegründete Minifirma zu einer 646 Mitarbeiter zählenden und europaweit agierenden Company gewachsen. Mit der jüngst etablierten Finanztochter von PC-Ware erhalten kleine Unternehmen professionelle Hilfe bei der Geldbeschaffung: „Wir agieren zwar nicht als Bank, stellen aber die Weichen für Kredite mit unserer Bonität oder bieten auch das Factoring an“, so Horezky.

Mit dieser Übernahme der Finanzabwicklung werden zugleich die Forderungen an Kunden versichert, so dass die Zahlungsausfälle für die Kleinen wegfallen können. „Wir machen das nicht ohne Eigennutz, weil damit diese Firmen überhaupt erst in die Lage kommen, bei uns einzukaufen“, berichtete die Leipziger Managerin.