Memorandum der grünen Bundestagsfraktion richtungsweisend
Für richtungsweisend hält UnternehmensGrün - der Verband ökologisch
orientierter Unternehmerinnen und Unternehmer - die jüngste „Initiative
für Investitionen, Arbeit und Umwelt" der grünen Bundestagsfraktion,
die heute in deren
Fraktionssitzung behandelt und hoffentlich auch verabschiedet wird.
Die darin enthaltenen Vorschläge sind geeignet, den steuer- und wirtschaftspolitischen
Zickzackkurs der letzten Monate zu überwinden und geben Anlaß zur
Hoffnung, daß künftige Reformen von mehr Augenmerk und vor allem
von einem klareren politischen
Konzept getragen werden. „Das Memorandum
der grünen Abgeordneten eröffnet die Perspektive für einen wirtschaftspolitischen
Neuanfang. Die Vorschläge sind mutig und konsequent und weisen
den Weg aus der unseligen unproduktiven
Debatte über Angebots- und Nachfrageorientierung. Es ist zu wünschen
und zu hoffen, daß sie beim Koalitionspartner SPD auf fruchtbaren Boden
fallen, so Gottfried Härle, Vorstand von UnternehmensGrün.
Im Mittelpunkt der künftigen wirtschaftspolitischen Reformarbeit muß
- so UnternehmensGrün - die Stärkung
kleiner und mittlerer Unternehmen stehen. Dort - und nicht in der
Großindustrie - werden die meisten neuen Arbeitsplätze geschaffen.
Dort liegt einer der Schlüssel zum Abbau der Arbeitslosigkeit. „Es war
fatal", so Gottfried Härle, „daß Teile der Koalitionsvereinbarungen
und manche daraus abgeleiteten Gesetze mittelstandsfeindliche Auswirkungen hatten.
Damit war es für die Lobbyverbände der
Großindustrie einfach, die Gesetzesvorhaben insgesamt zu diskreditieren."
Nach Ansicht von UnternehmensGrün markieren die Vorschläge der bündnisgrünen Fraktionsmitglieder wichtige Eckpunkte für einen mittelstandsfreundlicheren Regierungskurs: die geplante Unternehmenssteuerreform mit einem Höchststeuersatz von 35% für gewerbliche Einkünfte unter Einbeziehung der Gewerbeertragssteuer verbessert die Investitionskraft gerade auch von kleineren Unternehmen, ebenso bedeutend sind die vorgeschlagenen Initiativen zur Entbürokratisierung staatlichen Handelns. Vor allem mittelständische Betriebe leiden seit Jahren an der ausufernden Flut von neuen Vorschriften, Richtlinien und Geboten. Eine Vereinfachung und Reduzierung ordnungsrechtlicher Vorschriften ist dringend geboten.
UnternehmensGrün teilt auch die im Memorandum getroffene Einschätzung,
daß die in der 2. und 3. Stufe der ökologischen
Steuerreform vorzunehmende Erhöhung der Mineralölsteuer
im Interesse einer spürbaren Lenkungswirkung deutlich höher ausfallen
muß als bisher.
Wichtig ist weiterhin die von den Grünen signalisierte Bereitschaft, die
Regelungen zur Begrenzung der Scheinselbständigkeit
noch einmal zu überprüfen. In ihrer jetzigen Ausgestaltung führen
diese nicht nur zu massiven versicherungsrechtlichen Härtefällen,
sondern behindern die Gründung neuer selbständiger Existenzen.
Nachdrücklich begrüßt UnternehmensGrün das Vorhaben der grünen Fraktionäre, im Bündnis für Arbeit die bisher ausschließlich an den Faktor Arbeit geknüpfte Finanzierung der Sozialsysteme in Frage zu stellen und nach neuen Finanzierungsformen zu suchen - UnternehmensGrün setzt sich hier für die Einführung einer Wertschöpfungsabgabe ein. Selbstverständlich darf in diesem Zusammenhang auch das Niveau künftiger Rentenerhöhungen nicht tabuisiert und ausgeklammert werden. Ohne die Einführung eines demographischen Faktors ist das jetzige Rentensystem langfristig nicht mehr finanzierbar.
Auf uneingeschränkte Unterstützung stößt bei UnternehmensGrün
der Vorschlag, die staatlichen Subventionen
im Bundeshaushalt um jährlich 10% zu kürzen. „Es bleibt
zu hoffen, daß diesen mutigen Vorschlägen auch tatsächlich Taten
folgen. Wenn es der rotgrünen Regierung gelingt, über diesen Subventionsabbau
und die Begrenzung des staatlichen Ausgabenwachstums auf 2% den Bundeshaushalt
zu konsolidieren, dann erübrigt sich jede Diskussion um eine Mehrwertsteuererhöhung.
Dies wäre nicht nur im Sinne von Millionen Verbraucherinnen und Verbrauchern,
sondern auch ein wichtiger Beitrag zur Nachhaltigkeit staatlichen Handelns",
so Vorstandsmitglied Gottfried Härle abschließend in seiner Stellungnahme
zur wirtschaftspolitischen Initiative der grünen
Bundestagsfraktion.
Stuttgart, den 23. März 1999