Negative Verkehrswende im Vorwahljahr

Pressemitteilung vom 24. Oktober 2001

Zur Absicht der Bundesregierung, der Deutschen Bahn AG bereits zugesagte Investitionsmittel in Höhe von 700 Millionen DM wieder zu entziehen und in den Fernstraßenbau umzuleiten, nimmt das Vorstandsmitglied Jan-Karsten Meier von UnternehmensGrün, dem Unternehmerverband zur Förderung sozialen und umweltgerechten Wirtschaftens, Stellung:
Es ist aus umwelt- und verkehrspolitischer Sicht untragbar, dass die ursprünglich von allen Koalitionsfraktionen gemeinsam getragene Entscheidung, aus den UMTS-Lizenzerlösen mehrere Milliarden DM der Bahn AG zur Sanierung und zum Ausbau des teilweise maroden Schienennetzes zur Verfügung zu stellen und die Schiene so wenigstens etwas wettbewerbsfähiger gegenüber dem Lkw-Verkehr zu machen, nun teilweise wieder rückgängig gemacht wird. Hier hat sich eine unselige Allianz zwischen Bauindustrie, Gewerkschaften und SPD zum Nachteil der Umwelt durchgesetzt.
Richtig ist, dass die Bahn nach wie vor nicht in der Lage ist, ihre Bauprojekte zeit-, kosten- und plangerecht abzuwickeln. Als ehemaliger Staatsbetrieb hat sie auch nach jahrelanger Umstrukturierung noch keine generell funktionsfähigen Abläufe entwickelt. Dies war jedoch bereits zu dem Zeitpunkt allen Beteiligten klar, als die UMTS-Mittel im Interesse der „Verkehrswende“ der Bahn zugesagt worden sind.
Dass nun aber der durch Überkapazitäten geprägten Straßenbauindustrie im Vorwahljahr eine „Konjunkturspritze“ von über 700 Millionen DM verabreicht werden soll, wird nur ein Strohfeuer entfachen und den dringend notwendigen Anpassungsprozess der durch die Deutsche Einheit und ihre gigantischen Infrastrukturprojekte aufgeblähten Bauwirtschaft schmerzhaft verzögern.
Dabei stellt auch die beabsichtigte „private Finanzierung“ der Straßenbaumaßnahmen eine Milchmädchenrechnung dar, denn sie kommt im Grundsatz über eine – nun aber besonders bürokratisierte – Vorfinanzierung nicht hinaus. Wenn die Bundesregierung dies gewollt hätte, dann wären auch Schienenstrecken „privat“ vorfinanzierbar gewesen, wobei der „Investor“ in den Folgejahren die Trassenentgelte erhalten hätte.
Da jedoch das Zahlungsverhalten der deutschen Bahn bereits heute bundesweit negative Berühmtheit erlangt hat, kann man nach Ansicht Meiers schon zurzeit von einer flächendeckenden Vorfinanzierung aller Bahnprojekte durch die Gleisbaufirmen und ihre Kreditinstitute sprechen.

Jan-Karsten Meier
Vorstand UnternehmensGrün