Der Grüne Imperativ, 12.06.07
Eine Veranstaltung von UnternehmensGrün und der taz
Grüne Wirtschaft für die Zukunft
Ökologisch wirtschaftende Unternehmen generieren
volkswirtschaftlich höhere Gewinne:
Eine Frage des Marktes oder ordnungspolitische Herausforderung?
Es diskutierten:
Friedbert Pflüger, Fraktionsvorsitzender der CDU
im Berliner Abgeordnetenhaus
Jürgen Trittin, MdB, stellv.
Fraktionsvorsitzender der grünen Bundestagsfraktion
Moderation:
Malte Kreutzfeld, Ressortleiter Wirtschaft und Umwelt
der taz
Nach kurzen Grußworten meinerseits übernahm Malte
Kreutzfeld die Moderation des Abends, der sich gewinnbilanzierenden
Aspekten ökologischen Wirtschaftens widmen sollte. Bereits den
ersten Statements der Diskussionspartner, Dr. Friedbert Pflüger
und Jürgen Trittin, war zu entnehmen, dass diese eine
Gemeinsamkeit zeigten: Die Annahme der herausragenden Bedeutung einer
ökologisch ausgerichteten Wirtschaft, wobei ebenfalls
einvernehmlich die Energiepolitik im Zentrum der Aufmerksamkeit stand.
Pflüger referierte über die grünen Elemente seines
Lebenslaufes, dessen logische Folgerung dann auch lautete: der
Atomausstieg ist richtig und wichtig; die Zukunft liegt bei den
Erneuerbaren Energien.
Ich erlaubte mir dabei die Frage, ob es den Erneuerbaren Energien
hilfreich sein könne, in der Frage der „Laufzeitverlängerung
nicht so streng“ zu sein, wie Pflüger es sinngemäß
ergänzte. So sprach er sich ferner dafür aus, die in der
CO2-Sequestrierung vermuteten Potentiale ernst zu nehmen und wollte auf
meine – zu der Laufzeitverlängerung äquivalente - Nachfrage
auch hier keinen Zielkonflikt mit einem zugleich propagierten weiteren
Ausbau Erneuerbarer Energien-Nutzung erkennen. Die wahrscheinliche
Gefahr einer hierdurch motivierten Verlangsamung der Energiewende
meinte Pflüger in Kauf nehmen zu müssen. Ein Widerspruch?
Trittin stellte in diesem Zusammenhang klar, dass weder Atomstrom noch
neue Kohlekraftwerke gebraucht würden; als grundsätzliche
Ablehnung der CO2-Sequestrierungs-Technologie war dies aber offenbar
nicht zu verstehen.
Die Frage Kreutzfelds, wo die Option ökologischen Wirtschaftens zu
finden sei, im Markt oder aber in der Ordnungspolitik, fand ihre
Antwort in der Konzentration auf politische Prozesse auf legislativer
Ebene, mit Blick auf das EEG als entscheidendem
Motor ökologischer Wirtschaftszweige.
Mit der Darstellung des heutigen Marktes, der anders als zu Zeiten Adam Smith nun mit der Globalität der zu bewältigenden Herausforderungen zu kämpfen habe, vermochte Trittin nicht zu überzeugen, blieb doch offen, wie eine Internalisierung der umweltrelevanten externen Effekte realiter vorzunehmen sei; und: war doch bereits zu Zeiten Smith der Markt von Globalisierung geprägt. Nach meiner dahingehenden kritischen Anmerkung erklärte Trittin zwar die uns zur Verfügung stehenden Mittel; neben Nachahmeffekten und multi- bzw. bilateralen Verträgen wies er insbesondere auf das politische Potential der Umweltstandards hin. Offen blieb dabei allerdings, wie der sowohl bei Nachahmeffekten als auch bei Umweltstandards gegebene Konflikt zwischen der hier gewählten unilateralen Maßnahme und dem Welthandelsregime zu bewältigen sei, bedenkt man, dass die letzte Welthandelsrunde faktisch gescheitert ist.
Der Anregung von Matthias Kaiser, die Fragen der Realisierbarkeit ökologischen Wirtschaftens von dem Kernfeld der Energiepolitik auf andere umweltrelevante Wirtschaftsbereiche umzuleiten, wurde leider nicht gefolgt, wurde auch hier letztlich der Konsens nur in der Erforderlichkeit der Internalisierung bisher auf dem Markt nicht bilanzierter Kosten gefunden.
Eine Schwarz-Grüne Perspektive konnte der Abend trotz der Gemeinsamkeiten nicht bieten, wurde doch all zu klar, dass die Position Pflügers innerparteilich nicht mehrheitsfähig ist. Mit den Worten Pflügers sollte Berlin allerdings zum ökologischen Wirtschafts- und Vorzeigestandort werden.
Bereits um 21.15 Uhr war der Bogen gezogen; Herr Pflüger hatte noch einen Fernsehtermin.
So angenehm die einvernehmliche Aussprache für ökologisches Wirtschaften auch war: sie ging möglicherweise auf Kosten einer Kontroverse, die aus dem Detail heraus betrachtet sicherlich gegeben gewesen wäre.
Nina Scheer
zurück